November-Slam mit Liedermacher Jan Koch

Drei eingeladene Gäste aus München und Berlin, einer davon sogar Liedermacher und drei Debuts – das war der Augsburger Poetry Slam im November. In der ausverkauften Kresslesmühle schmissen sich wieder die Poeten in die Dichter-Schlacht. Gewinnen konnte natürlich wieder nur einer und das war dann Michael Feindler aus Berlin. Aber wer denkte, das war ein einfacher Sieg, der war nicht dabei. Denn Feindlers Mitstreiter machten es ihm nicht so leicht, zu gewinnen…

Slam-Neuling Darina Kuzim eröffnete den Abend mit einem starken Gedicht mit einer überraschenden Wendung: „Nach unten gedrückt“. Nicht über Essiggurken – aber dafür über ganz viele und ganz tiefe Gefühle schrieb Alexander Ratschinskij. Auch hier wieder eine Überraschung am Ende – die Liebeserklärung galt einer Zigarette! Der Münchner Kabarettist und Slammer Grög! präsentierte aus seiner Cholerischen Lyrik-Reihe eine Folge über Kalk. Und das ist en masse im Münchner Wasser. „Aber was soll man schon von einer Hauptstadt eines Bundeslandes erwarten, dass die Flagge in Weiß & Blau hat?!“ Peter Knuhr war der vierte Slammer am Abend. Er las aus seiner Kurzgeschichte „Der Damm“ über einen Jungen auf dem Land und einer roten Lokomotive… Sehr schön, sehr fein beobachtet!

Michael Feindler (Berlin) brachte „Grüße aus Dem Bildungsministerium“ mit. Sein zweiter Beitrag, „Metaphorisches Duell“, erzählte vom Hahnenkampf zweier Poeten. Sie beschimpften sich zwar kreativ doch durchwegs weit unter der lyrischen Gürtellinie. Die Harmonie war letztendlich total zerstört. Ebenso sehr unterhaltsam war der zweite Debutant des Abends: Karl-Reiner Schmidt. Er hatte mehrere Gedichte mitgebracht mit äußerst lustigen Geschichten: Da unterhielten sich Nase und Mund und stritten aus Herzenslust…

Der Berliner Slammer Jan Koch ist eigentlich ein begnadeter Liedermacher. Jetzt war er in Augsburg als Slammer angetreten und durfte nicht singen – aber gottseisgedankt konnten wir ihn noch später am Abend überreden, seine Gitarre auszupacken. Im Wettbewerb durfte er jedoch diese nicht verwenden. Aber auch seine Lyrik konnte überzeugen: „Nirgendwo“ handelte von einem Episodenmenschen. Klasse. Letzter am Abend: Philipp Pehmer, auch zum ersten Mal beim Augsburger Slam dabei. Er hatte einen Liebes-Text dabei – denn die Liebe, das sei sein Adrenalin.

Im Finale trafen Grög! und Michael Feindler aufeinander. Grög! brachte seine Kochshow-Rage: zum ersten Gang ein Tintenfisch-Carpacchio, zum zweiten Gang ein Bambi und zum Schluss ein Tiramisu. Michael Feindler antwortete mit einer köstlichen Erlkönig-Persiflage übers Autofahren. Mit knappem Vorsprung gewann Michael Feindler den genialen Abend – so soll ein Slam sein! Spannend bis zu rletzten Sekunde. Gratulation!

Der nächste Poetry Slam findet am 18.12. wieder in der Kresslesmühle statt – alle weiteren Termine sogar bis Ende 2010 finden sich unter www.slam-augsburg.de.
Hier finden sich auch die Regeln, die bisherigen Gewinner der Poetry Slams sowie viele weitere Links zu Slammern und anderen Slam-Städten. Natürlich kann man hier auch den Newsletter zum Slam abonnieren…

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